
NRW, 27.10.2010 16:40 Uhr
Die Reanimierung läuft, der "Patient" Honsel hat gute Chancen, wieder komplett gesund zu werden: Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus hatte sich am Mittwoch erstmals nach Bekanntwerden der Insolvenz zur aktuellen Lage beim Mescheder Automobilzulieferer geäußert. Und es waren gute Nachrichten. So stehen am Kauf interessierte Investoren bereits auf der Matte, bevor die Suche überhaupt aufgenommen wurde.
Zu den Ursachen der Honsel-Pleite wollte sich der Jurist noch nicht äußern. „Am Montag ist mir der Patient zugewiesen worden. Jetzt müssen wir ihn erstmal retten, bevor es erst dann darum geht, warum er erkrankt ist“, bediente sich Kebekus an der Medizinersprache. Heißt: Zunächst hat die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs an den Standorten in Meschede, Nutlar, Soest und Nürnberg höchste Priorität. Erst danach wird man sich mit der Vergangenheit von Honsel beschäftigt und damit, so Kebekus, mit der Frage, inwieweit die „Heuschrecken“ Schuld an der Misere tragen. Die Liquididität habe gen Null tendiert, als er seine Arbeit aufgenommen hat. Mittlerweise stelle sich die Lage entspannter dar: Mit Lieferanten und Herstellern sei Einigkeit erzielt worden, der Betrieb ist vorerst stabilisiert. Der Insolvenzverwalter ist guter Dinge, eine Sanierungslösung hinzubekommen. Die Produkte von Honsel hätten eine hohe Akzeptanz, dies habe er bereits in vielen Gesprächen mit verschiedenen Kunden erfahren.
Kündigungen vorerst ausgeschlossen
Für den Neuanfang werde nun eine „jungfräuliche rechtliche Hülle“, so Kebekus, um Honsel aufgebaut. Die alten Gesellschafter wird es dann nicht mehr geben. „Hier waren zu viele Köche am Werk. Deshalb muss jetzt eine grundlegende Bereinigung stattfinden“, ließ er durchblicken.
Jetzt wird ein neuer Investor gesucht. Der Insolvenzverwalter machte deutlich, dass es um die Gesamtsanierung von Honsel geht und keine Zerschlagung in Einzelteile stattfinden wird. Damit kann das Unternehmen ausschließlich im Paket mit all seinen Standorten erworben werden. Nur vom Tochterwerk in Frankreich werde man sich trennen, so Kebekus.
Bis zum 1. Januar 2011 soll sich bereits herauskristallisieren, wie es mit Honsel weitergeht: „Dann gibt es vielleicht noch keine endgültige Lösung, aber eine Verdichtung der Investoren auf zwei bis drei Interessierte hat stattgefunden.“ Die Tatsache, dass die ersten Interessenten bereits angefragt haben, obwohl die Suche noch gar nicht offiziell gestartet hat, macht Hoffnung. Den Prozess möchte Kebekus ergebnisoffen führen: „Ein strategischer Investor wäre nett, letztendlich geht es aber darum, wie das Angebot im Kontext zu den anderen Mitbewerbern steht.“ Kurzfristige Kündigungen oder Freistellungen von Mitarbeitern schloss der Rechtsanwalt aus. Dies gilt jedoch nicht für die Zeit nach der Neuausrichtung.
„Allerdings“, so Kebekus, „ist Honsel derzeit so aufgestellt, dass man nicht großartig Stellen abbauen kann.“ Sollten Arbeitsplätze wegfallen, würde sich die Zahl im engen Rahmen bewegen. Die Löhne werden bis Ende des Jahres in voller Höhe aus dem Insolvenzgeld weiter gezahlt.
Die Mitarbeiter, welche am Mittwoch im Rahmen von Betriebsversammlungen an den Standorten über die Lage informiert wurden, rief Kebekus dazu auf, das Insolvenzverfahren als „Chance zum Befreiungsschlag“ zu begreifen: „Sie sollten mit Kämpfermut in die nächsten Wochen gehen.“
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