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Lust auf Elektrotechnik

Olsberg, 07.07.2011 09:50 Uhr

Heimi­­sche Hand­werks-und Indus­trie­­be­triebe und das Berufs­­kolleg Olsberg wollen gemeinsam für die Ausbil­­dungs­­be­­rufe im Bereich der Elek­tro­­technik werben und damit dem akuten Fach­­kräf­temangel in diesem ansonsten sehr zukunfts­­si­cheren Berufs­­feld entge­­gen­wirken. Unter der Marke "et4you" soll die neu gegrün­­dete "Ini­tia­tive Elek­tro­tech­­nik" helfen, das Problem zu lösen.

"Wir haben immer mehr Anfragen nach Absolventen unseres Ausbildungszweiges "Elektrotechnische Assistenten". Gleichzeitig lässt das Interesse an technisch-naturwissenschaftlicher Ausbildung bei uns in der Schule aber auch in den Betrieben nach", bringt Abteilungsleiter Heinrich Weber den Ist-Zustand auf den Punkt und hält dabei einen Stapel von Stellenangeboten demonstrativ hoch. "Unsere Klassen sind nicht mehr voll besetzt, das Interesse schwindet. Wir müssen gegensteuern."

Dem pflichtet Josef Berkenkopf, Obermeister der Elektrotechnik-Innung Brilon, bei. Der selbstständige Elektromeister aus Hallenberg kennt die Probleme auch aus dem eigenen Betrieb. "Das Problem ist seit zwei Jahren bekannt und kann nicht am Berufsbild und den Themen liegen, denn der Beruf ist durch die fortschreitende Vernetzung der Haustechnik sehr zukunftsträchtig." Berkenkopf sieht ein Problem in den hohen Kosten für die Ausbildungsbetriebe, die nicht zurückfließen, weil viele Auszubildende nach der Lehre "angenehmere Arbeitszeiten" in der Industrie bevorzugten. Dabei - so die Fachleute - kann ein guter Elektriker einen Schlosser ersetzen, umgekehrt aber nicht.
Viele Schüler sind orientierungslos

Das nächste Problem: Viele Schüler sind nicht mehr Ausbildungsfähig und orientierungslos. Und die wirklich guten Schüler suchen sich andere Berufszweige.

Dem stimmte Dr. Ernst-Günther Schweppe, Professor an der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede, zu. Trotz Wegfall der Wehrpflicht und des verkürzten Abiturs stagniert in Meschede aktuell die Zahl der Bewerber um einen Studienplatz im Bereich Elektrotechnik. Im Fachbereich BWL nahm sie hingegen um 30 Prozent zu.

Auch die Frage, warum so wenige Mädchen den Weg in die E-Technik finden, obwohl es entsprechende Initiativen für technische Berufe gibt, wurde erörtert. Ergebnis: Es wird, wenn überhaupt, zu spät Interesse geweckt. Kaum jemanden interessiert es noch, wie beispielsweise ein "iPhone" funktioniert. Es wird alles einfach als gegeben hingenommen.

Dr. Schweppe: "Die jungen Menschen müssen an die Hand genommen werden, wenn sie noch begeisterungsfähig sind. Bestes Beispiel dafür ist die Kinderuni an unserer FH. Daher sollten schon Achtklässler zum Beispiel mit dem Löten von Bausätzen neugierig gemacht werden."

Vonseiten der Betriebe kam auch der Vorschlag, Stipendien anzubieten, um Mitarbeiter auch über die Ausbildung hinaus langfristig an den Betrieb zu binden. An die Schulen galt der Appell, den Physikunterricht zu stärken.

Die Initiative "et4you" will nun verstärkt für die Elektrotechnik werben. Und das soll schon in der Grundschule beginnen. Die Lehrer am "in dieser Form modernsten Berufskolleg Deutschlands" sind gerne bereit, nachmittags Kurse in Löten, Messen und Schaltungstechnik zu geben und auch Schulen aufzusuchen, um schon ganz junge Menschen neugierig zu machen.

 

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