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Technikrat gegen Fachkräftemangel - 30.000 offene Stellen für Ingenieure und IT

NRW, 04.03.2008 12:14 Uhr

Die Zahl der offenen Stellen für Inge­nieure und Infor­ma­tiker steigt weiter an. Derzeit gibt es monat­lich rund 30.000 offene Stellen in diesem Bereich, was gegen­über dem Vorjahr ein Anstieg von über zehn Prozent bedeutet, erklärte der VDI heute auf der CeBIT in Hannover. "Ange­sichts der stagnie­renden Absol­ven­ten­zahlen hat diese auf den ersten Blick erfreu­liche Entwick­lung schlimme Neben­wir­kun­gen", sagte VDI-Direktor Dr. Willi Fuchs. "Denn viele Unter­nehmen können ihre freien Stellen nicht oder nur mit Verzö­ge­rung beset­zen - der Mangel an tech­ni­schen Fach­kräften lähmt zuneh­mend den Standort Deutsch­land." Laut einer aktu­ellen VDI-Umfrage befürchtet jedes zweite Mitglied, dass durch den Inge­nieur­mangel die Unter­nehmen ins Ausland abwan­dern. Jeder vierte befragte Inge­nieur glaubt, dass sich die Posi­tion des IT-Stand­ortes Deutsch­land bis 2015 verschlech­tern wird. "Nokia ist nur das jüngste Nega­tiv­bei­spiel. Wir müssen diesen Trend stop­pen - sonst spielt Deutsch­land bei IT-und High-Tech-Produkten bald nicht mehr in der Bundes­liga, sondern in der Bezirks­liga", warnte Fuchs.

Nationaler Technikrat soll gegensteuern

Die Bekämpfung des Fachkräftemangels versteht der VDI als eine gemeinschaftliche Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. "Wir fordern deshalb die Einrichtung eines Nationalen Technikrates", so Fuchs. "Dieser soll die Interessen aller Beteiligten bündeln und schnell verwertbare Ergebnisse, besonders gegen den Fachkräftemangel, erarbeiten." Handlungsbedarf sei vor allem auf drei Gebieten nötig: Technikunterricht in Schulen, systematische Weiterbildung in der Wirtschaft und vereinfachte Zuwanderung für hoch qualifizierte Arbeitnehmer. Teilnehmer des Rates sollen hochrangige Vertreter aus Bundes- und Landespolitik sein, sowie führende Vertreter aus Wirtschaft und Verbänden.
Besonders die Politik stehe in der Pflicht die Maßnahmen umzusetzen. Gerade was die Schulbildung betreffe, seien Veränderungen notwendig. "Technik und Informatik müssen stärker in den Schulunterricht integriert werden", betonte Fuchs. "Technikunterricht muss zum Pflichtfach werden." Laut einer aktuellen EMNID-Umfrage stimmten über 80 Prozent der deutschen Bevölkerung dieser Forderung zu.

Wachstumstreiber Optische Technologien und Nanotechnik

Nach der VDI-Umfrage sehen 40 Prozent der Experten IT-Deutschland schon jetzt nur noch im Mittelmaß. Trotz dieser kritischen Einschätzung, hält Fuchs Schwarzmalerei für überzogen: "Noch hat Deutschland alle Chancen. Besonders bei den Optischen Technologien und in der Nanotechnik sehe ich großes Potenzial für Wachstumsmärkte." Allein in den Optischen Technologien, in denen Deutschland Weltmarktführer ist, soll der Umsatz bis 2015 um jährlich 8,5 Prozent steigen, für Produkte im IT-Bereich gar um 15 Prozent.

Im Bereich der Nanotechnik ist Deutschland in Europa führend. Schon jetzt sind mindestens 50.000 Arbeitsplätze in deutschen Unternehmen auf nanotechnologische Entwicklungen gerichtet. "Sie wird die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts sein", ist Fuchs überzeugt. Für IT-Produkte ist sie besonders für die Datenspeicherung von Bedeutung, zum Beispiel auf Computerfestplatten, MP3-Playern und Diodenlasern. "Ein Wachstumsmarkt mit großen Chancen. Aber auch hier droht der Fachkräftemangel das Wachstum zu bremsen. Jetzt ist es höchste Zeit, dass der Nationale Technikrat die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellt."

 

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