
NRW, 27.10.2007 17:17 Uhr
Attendorn. Sauerland. Das 6. Attendorner Wirtschaftsgespräch suchte auf die simple Frage, warum es so wenig Frauen in den deutschen Chefetagen gibt, eine Antwort. Unter dem Veranstaltungsmotto „Das Oben ohne Phänomen“ brachte die geladene Referentin Barbara Bierach einige interessante Gedankenansätze auf die Tagesordnung.
Die alte Hansestadt im Sauerland ist für ihre hochqualitativen Wirtschaftsgespräche mittlerweile über die Grenzen des Kreis Olpe bekannt. Regelmäßig lädt die Stadt Attendorn in enger Zusammenarbeit mit der Multimediahaus GmbH aus Lüdenscheid hochrangige Referenten in die Stadthalle Attendorn zum Wirtschaftsgespräch ein.
Beim 6. Wirtschaftsgespräch wurde die australische Schriftstellerin Barbara Bierach eingeladen. Frau Bierach stammt gebürtig aus Mannheim und führte ein Studium der politischen Wissenschaften und der Volkswirtschaftslehre in München durch. Ihre berufliche Laufbahn führte sie unter anderem in Verantwortlichkeiten beim Bayerischen Rundfunk, beim Burda-Verlag und zur Management-Berichterstattung der Wirtschaftswoche.
2002 provozierte die Autorin mit dem Büchertitel „Das dämliche Geschlecht“ einen Aufschrei in der Frauenwelt. In ihrer Veröffentlichung machte sie sich Gedanken zur Tatsache, dass es zu wenig Frauen in den Chefetagen und Führungspositionen gibt – komischerweise findet man diesen Komplex am häufigsten in Deutschland.
Das Thema kam gut an und forderte eine Fortsetzung. Im aktuellen Buch „Oben ohne – Warum es keine Frauen in unseren Chefetagen gibt“ befasste sie sich zusammen mit dem Personalberater Heiner Thorborg mit dem Thema. Die Kernaussagen treffen anscheinend die Kern der Wahrheit. Davon konnten sich die Gäste in der Attendorner Stadthalle ein eigenes Bild machen. Vor einer nahezu ausverkauften Stadthalle zählte die Autorin ihre Argumente auf und lud nach einer kurzen Lesung aus ihrem Buch zu einer konstruktiven Diskussion ein. Beim vorangegangenen „Couchgespräch“ interviewte der Moderator des Abends, Herr Dietmar Baum – Geschäftsführer von mmh, die Spezialistin mit Publikumsfragen, die während der Lesung schriftlich gestellt werden durften.
Im Kern kam Frau Bierach schnell auf den Punkt. Ihrer Meinung nach ist die Zurückhaltung der deutschen Frauen bereits seit Generationen anerzogen worden. In der Nazizeit wurde das typische Frauenbild besonders nachdrucksvoll „installiert“. Unter anderem auch der „Rabenmutter-Komplex“, den es nur im deutschen Sprachgebrauch gibt.
Die Schriftstellerin ermutigte alle Frauen zum Umdenken und den Schritt aus den alten Frauenbildern zu wagen. Allerdings merkte sie auch an, dass die deutschen Frauen sich sehr bequem verhalten und lieber diese passive Rolle spielen, als täglich im Berufsleben ihre „Frau“ zu stehen. Im Berufsleben selber beweisen sich Frauen stets als die loyalsten Arbeitnehmer und die effektivsten. In Punkto Rollenteilung in der Familie und Kindererziehung wünscht sich die Autorin mehr „Gleichberechtigung“. Auch die Männer könnten sich mehr um die Erziehung der Kinder kümmern und diese Verantwortung nicht nur auf die Frau abwenden. Warum die stetige „Vereinbarkeitsdebatte“ nur auf den Schultern der Frauen stattfindet, konnte Frau Bierach auch nicht beantworten. In Schweden zum Beispiel, würden Transferleistungen, wie zum Beispiel das Erziehungsgeld, nur dann gezahlt, wenn auch die Väter sich eine berufliche Auszeit nehmen. Durch solche gesetzlichen Rahmenbedingungen kann dann ganz leicht das „Risiko“ einer Schwangerschaft auf beide Geschlechter verteilt werden, sodass es nun für Arbeitgeber genauso „risikohaft“ ist, einen jungen Mann einzustellen, der sich nach der Entbindung seiner Frau genauso für ein Jahr vom Unternehmen urplötzlich – bei voller Arbeitsplatzgarantie nach Rückkehr - verabschieden kann.
Frau Bierach hinterfragte: „Wenn ihr den Kampf mit dem eigenen Ehemann nicht gewinnt, dann gewinnt ihr auch keinen im Unternehmen!“.
Klare Worte also in Attendorn – in der anschließenden Podiumsdiskussion gab es viel Zustimmung für Frau Bierach. Aber auch den Beweis, dass es in manchen Betrieben – zumindest im Herzen des Sauerlands – fortschrittliche Lösungen gibt, die den Frauen mehr Möglichkeiten einräumen. Das diese nicht immer wahrgenommen werden weiss auch Barbara Bierach. Deswegen auch der abschließende Aufruf: „Meine Damen, hoch mit dem Hintern!“.
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Text: Sven-Oliver Rüsche
Video: Flying Media Nachrichtenagentur
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